Essaouira, die weiße Stadt

Bevor wir endgültig gen Norden und in den Winter starten, haben wir uns von Marrakech aus nach Osten, zum Meer gewandt. Wir wollten es uns noch mal touristisch geben und die Stadt Essaouira besuchen. Mittlerweile haben wir ja schon gelernt, dass Marokko vielfältig von den Europäern besetzt und kolonisiert wurde. Bei Essaouira handelt es sich um eine portugiesische Gründung. Damals hieß die Stadt allerdings Mogador (übrigens bis 1956). Wegen ihrer noch vollständig vorhandenen (portugiesischen) Stadtmauer wurde die Stadt umbenannt in die Eingeschlossene=Essaouira.

Zunächst aber ein paar Eindrücke von der Fahrt.

Morgens am Campingplatz in Marrakech wunderten wir uns nicht schlecht über den Gemüsewagen.

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Die Fahrt selber war auf hervorragenden Straßen, inklusive leerer Autobahn, schnell erledigt, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt wo wir in einen großen Souk (Wochenmarkt) gerieten.

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Die Einkäufe wurden nicht nur mit Autos, sondern mit überraschend vielen Pferde-fuhrwerken abgefahren.

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Kurz vor Essaouira dann noch mal ein echtes Highlight. Die Ziegen in Bäumen.

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Wenn wir nicht vorher per Zufall davon gelesen hätten, hätten wir das für einen Scherz gehalten und an Puppen im Baum gedacht. Aber es ist wahr, aus Nahrungsmangel haben sich hier die Ziegen zu Kletterern entwickelt.

Um Essaouira herum gibt es große Argan Plantagen.

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Dann kam sie in Sicht, die weiße Stadt.

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Wir bewegen uns in den Fussstapfen illustrer Vorbesucher, haben doch die Rolling Stones, Jimi Hendrix, Cat Stevens und Frank Zappa hier einen Teil ihres Lebens verbracht. Den Hippie-Vibe erkennt man bereits an den vielen Rastafaris und den Dope-Wolken, die einen umwehen.

Zunächst ging es aber zum Hafen und einem vor Ort liegenden bewachten Parkplatz, von dem aus wir Hafen und Medina zu Fuß erkundeten.

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Dass die Stadt wunderschön und die Medina schön touristisch ist, könnt ihr an den Bildern unschwer erkennen.

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Der Hafen, bekannt aus Game of Thrones, ist voll in Funktion, was man hören und riechen kann. Leider war der Fischmarkt gerade zu Ende, als wir eintrafen.

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Die blauen Fischerboote werden noch traditionell gefertigt.

Vom Hafen aus ist es nur ein kurzer Weg in die Medina, die uns eingangs mit Patisserien begrüßte.

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Die Medina selbst wird vor allem touristisch genutzt.

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Wir saßen gerade im Café, da schlenderten auf einmal Thomas und Stefan, die wir zuletzt in Oussoud getroffen hatten, vorbei. Die beiden schilderten uns lebhaft, dass sie aus der Erg Chebbi nicht so schnell wegkamen, da an Stefans VW Bus die Kupplung getauscht werden musste. In Zagora musste dann noch die Bremsleitung ersetzt werden. Wenn uns das passiert wäre, hätte uns das fünf mal so viel gekostet, da die zwei Schrauber a) wussten, was kaputt war und b) das meiste selber machen konnten.

Jetzt geht es langsam heim, dauert ja eh mindestens drei Tage. Wir verabschieden uns mit einem Blick von der Stadtmauer Essaouiras.

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Tizi´n´Test

Nach dem Frühstück, in zugegebenermaßen spektakulärer Umgebung,…

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drehten wir endgültig Richtung Norden. Es ging gen Taroudant, wo wir vor der Überquerung des hohen Atlas übernachten wollten.

Morgens war es am Meer auf einmal neblig. War ein witziger Anblick, da man an den Küstenbergen den blauen Himmel gut sehen konnte. Unser Bus (the good Dromedare, ihr wißt) sieht mittlerweile eher aus wie Sau. Vor allem, da er am Meer jetzt morgens auch noch feucht ist. Waschen wäre eine Maßnahme, lässt sich aber auch zu Hause erledigen. Wir verabschiedeten uns noch von Andres (ist mit einer Beiwagen-BMW unterwegs), mit dem wir am Vorabend im Nomad (was wir jedem der mal Sidi Ifni besucht, nur empfehlen können) essen waren. Er war gerade dabei seine Sachen zu trocknen, da ihm in einem seiner Koffer eine Wasserflasche kaputt gegangen war.

Es ging parallel zur Küste durch eine nette Landschaft.

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Ab und zu wurde es sogar noch mal wüstenartig.

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Die Straße war gut ausgebaut, wir kamen schnell voran. Tarroudant kam in Sicht, wir haben es aber sozusagen links liegen gelassen.

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Übernachtet haben wir in den Jardines de Khoudifra, einer Farm mit angeschlossenem Campingplatz. Dort war es sehr nett, insbesondere da der Besitzer während des Abendessens klassisches Klavier spielte. Nur der Wein hat gefehlt.

Am nächsten Morgen (heute sozusagen) ging es dann an die Atlasüberquerung. Wir wollten dies Richtung Marrakech über den Tizi´n´Test Pass machen, rund 200km mit fast 5 Stunden Fahrzeit lagen vor uns. Vor allem aber lag der hohe Atlas mit seinem atemberaubenden Panorama vor uns.

Anfangs war die Straße gut ausgebaut, wir konnten es kaum glauben.

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Der Atlas hüllte sich noch in Dunst und Wolken…

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…die von der Sonne im Laufe des Vormittags aber vertrieben wurden.

Dann ging es los.

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Die Straße wurde schlechter und die Ausblicke besser.

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Nahe dem Dorf Tizi´n´Test haben wir die erste Pause gemacht. Hier gab es Berg-Berber-Tee. Das heißt nicht mit Minze, sondern mit Thymian. War gruselig (Frank).

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Dafür entschädigte aber, ihr wißt schon was…

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Die Straße wurde immer schmaler und der Teerbelag immer bröseliger (soweit noch vorhanden). Der Abgrund war nah sozusagen.

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Bei rund 2100m Höhe, überfuhren wir den Passscheitel. Danach ging es abwärts, das Panorama aber blieb gleichbleibend sensationellP1100999.jpgP1110012.jpgP1110022.jpgP1110025.jpgP1110029.jpgP1110042.jpg

Tiefer wurde auch die Straße wieder etwas besser. Allerdings kamen nun unverhofft manch fiese Schlaglöcher.

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Die Straßenarbeiten erfolgen hier effizient.

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Kurz bevor es in die Ebene von Marrakech ging, wurde es nochmals richtig schön.

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Marrakech wollten wir diesmal eigentlich gar nicht besuchen. Tun wir auch nicht, wir haben hier nur eingekauft und übernachten jetzt hier. Wir fahren statt dessen nach Essaouira, von dem man im Reiseführer lesen kann: Vergesst Marrakech, in Essaouira ist es nicht so spektakulär aber viel schöner.

Wir werden berichten.

 

Unverhofft kommt oft

Sind wir doch Donnerstag gleich zwei mal überrascht worden. Plan war es, den Antiatlas wieder Richtung Wüste verlassen. Richtung Guelmim, der Wüstenmetropole Marokkos.

Zunächst fuhren wir nochmals zum Bäcker nach Tafraout, um Croissants für´s Frühstück zu organisieren. Gefrühstückt haben wir dann am Fuße eines Berges, abseits der Straße.

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Dann ging es noch weiter durch den Antiatlas, der Richtung Atlantik wieder zur Wüste überging.

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Dann das erste Unverhofft. Ausgangs einer Kurve kommt uns ein kleiner Renault mit Offenbacher Nummer entgegen. Wenig Verkehr, so dass ein Pläuschchen mitten auf der Straße kein Problem darstellte. Ein Marokkaner aus Offenbach erzählte uns dann, dass er aus dem nächsten Ort…

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…stammt und auf Urlaub da ist. Nachdem er uns dann noch die (seiner Meinung nach) besten Witze über regionale Nummernschilder erzählt hat, fuhren wir grinsend weiter (nicht wegen der Witze). Immerhin waren wir, wie immer wenn´s geht, auf kleinen Nebenstraßen unterwegs und dann treffen wir einen Marokkaner aus Offenbach.

Auf einmal hatte uns die Wüste wieder…

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inklusive einer Staumauer mit Pfütze.

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Das Stadttor kündigt Guelmim, eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, an.

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Der einzige Marjane Supermarkt diesseits des hohen Atlas war eines unserer Ziele. Supermärkte auf marokkanisch sind in Einzelteilen etwas anders als bei uns. Man kauft mehr Sachen aus Schütten ein. Beispiel…

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Deswegen riecht es dort auch gut. Fanden auch die Vögel, die im Supermarkt leben.

Nach dem kurzen Abstecher ging es zurück in die Wüste, um zu Fort Bou Jerif, einem ehemaligen Militärstützpunkt der Franzosen, zwanzig Kilometer vor der Atlantikküste zu gelangen. Als es hier noch keine modernen Straßen gab, wurden mit Hilfe dieses Stützpunkts die Hauptpisten nach Agadir überwacht.

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Zunächst ging es auf einer geteerten Straße Richtung Küste, von der wir dann auf eine neun Kilometer lange, ziemlich raue Steinpiste, abbogen.

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Dann kam der „Campingplatz“ in Sicht, von dem wir zu Fuß weiter zum Fort wanderten.

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Eine große Anlage, hier der Blick von der oberen Befestigung auf die Mannschaftsunterkünfte und den Exerzierplatz…

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…und hier der Blick aus der Wohnung des Kommandanten.

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Hauptfestung

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Und jetzt die zweite Überraschung des Tages. Das als 4×4 Camp angekündigte Fort Bou Jerif, entpuppte sich als luxuriöse Herberge mitten in der Wüste, mit angeschlossenem Campingplatz. Da haben wir es gleich krachen lassen und für 270 MAD (Dirham) eine Camper Halbpension mit 3-Gang Abendessen und Frühstück erstanden. Heißt: Ca. 27 Euro pro Person.

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Hinter den ganzen Expeditions LKW´s kann man unseren VW Bus, der zwischenzeitlich von Ismael den Namen „good Dromadaire“ erhalten hat, gar nicht sehen. Aber weiter mit der Überraschung…

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Fischspieße, köstlich.

Nach einem opulenten Frühstück mit Crêpes, Feigen- und Aprikosenmarmelade sowie Wüstenhonig, ging es heute früh dann weiter Richtung Atlantik, an den berühmten Plage Blanche.

Neben der Piste immer wieder Nomaden (Imker) mit Bienenkästen.

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Kurz vor der Küste, immer noch auf der Piste…

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…der Atlantik war nahe, aber der Weg dorthin steinig.

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Plage Blanche…

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…40km weißer Sandstrand. Hier fällt die Sahara in den Atlantik. Naturschutzgebiet.

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Das gefällt den Flamingos. Unsere Aufnahmen erfolgten übrigens von einem entfernten Beobachtungsturm aus.

Blick in die andere Richtung.

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Gigantisch. Von hier aus kann man übrigens am Strand entlang fast 100km bis Tan Tan fahren. Man sollte sich allerdings nicht von der Flut überraschen lassen, was die Fahrt etwas gefährlich werden lässt. Insbesondere falls man mal im Sand steckenbleibt.

Wir fuhren allerdings von hier aus nicht mehr weiter in den Süden, sondern wandten uns gen Norden, Richtung Side Ifni, mit seinem etwas außerhalb liegenden Legzira Beach. Bekannt durch die zwei Felsentore, von denen das filigranere (und damit schönere) leider 2016 eingestürzt ist. Hier das andere…

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Sidi Ifni ist eine ehemalige spanische Garnisonsstadt, ihr seht, dieser Landstrich hat eine bewegte Kolonialvergangenheit. Hier der ehemalige Gouverneurspalast.

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Insgesamt ein schönes Städtchen, mit einem lebhaften Souk. Hier konnten wir auch unsere Maroc Telekom Karte wieder aufladen (10 GB, 10€). Sfejs gab es im Kleinformat, auch wohlschmeckend und die Langusten für umgerechnet unter 12€ zum Abendessen waren sensationell.

Wir verabschieden uns für heute mit einem Blick (von oben) auf unser Wohnzimmer. Der Bus (good Dromadaire) ist bei genauem Hinschauen zu erkennen.

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Antiatlas, Tafraout

Der Antiatlas begrenzt in Marokko die Sahara im Norden. Wir verlassen die Wüste und fahren ins Gebirge. Findet Andrea eh schöner, als durch die Wüste zu fahren. Es gibt ja viele Menschen, die einmal in der Wüste waren und die von ihr dann nicht mehr losgelassen werden. Dazu gehören wir beide nicht. Einerseits wirkt die Wüste mit ihrer Weite und Eintönigkeit stark ein, andererseits weiß man aber auch immer, wie es weitergeht. Selbst Oasen als Unterbrechung sind nur die ersten drei, vier mal überraschend, danach gleichen sie sich. Während des Fahrens kann man klasse seine Gedanken wandern lassen, wenn dann aber auf einmal echte Berge, Täler und kurvige Strecken anstehen, macht es uns beiden mehr Spass. Im Ablauf sieht das dann ungefähr so aus:

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Der Antiatlas mit seinen „Streifenbergen“. Der höchste ist mehr als 2.500m hoch.

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Wie man an der Oued Durchfahrt sehen kann, ist es auch hier sehr trocken.

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Ein fantastischer Ausblick jagt den Anderen.

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Die Menschen in dieser Gegend konnten auch historisch gesehen ihren Lebensunterhalt kaum decken, weshalb die Migration in den (reicheren) Norden Marokkos hier der Normalfall geworden ist. Dies kann man auch als Tourist nachvollziehen, wenn man die Landwirtschaft sieht.

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Wir haben uns schon gefragt, wovon die Menschen hier leben, was wir uns nicht gefragt haben, war, warum sie hier leben. Das beantwortet sich nämlich von selbst.

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Die Infrastruktur in dieser Gegend ist, nun sagen wir, entwicklungsfähig.

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Jede Oued Durchfahrt kann so aussehen. Das Drumherum entschädigt.

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Es war unglaublich. Wir mussten ständig anhalten, um Bilder zu machen.P1100523.jpgP1100525.jpgP1100535.jpgP1100542.jpgP1100556.jpgP1100559.jpg

Dann näherten wir uns unserem Ziel Tafraoute. Eine kleine Provinzstadt, die vor allem durch ihre Felsformationen bekannt ist, aber auch über einen netten kleinen Souk verfügt, wo wir endlich unsere Obst- und Gemüsevorräte wieder aufstocken konnten.

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Der berühmteste Felsen ist der Chapeau Napoléon.

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Leicht außerhalb der Stadt hat der belgische Künstler Jean Verame 18 Tonnen Farbe mit Hilfe der freiwilligen Feuerwehr auf ein paar dieser Felsen gespritzt. Was uns der Künstler damit sagen will, blieb uns verschlossen, sah aber ganz nett aus.

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Nach so viel Kunstgenuss, den wir bei nur noch 28°C erlaufen mussten, zogen wir dann mit unserem Gemüse auf einen Campingplatz auf der anderen Seite der Stadt. Auch mit nettem Ausblick.

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Im Süden, oder immer noch Wüste

Wir bewegen uns jetzt im Süden Marokkos, wo die Sahara in Folge des Klimawandels immer mehr Einfluss auf die Oasen nimmt. Erste Etappe ist von Maadi (Erfoud) nach
M´hamid, dem Ausgangspunkt zur Erg Chegaga.

Manche behaupten, der Süden mit seiner Wüstenlandschaft sei eintönig. Richtig ist, die Wüste bietet nicht viel Abwechslung, in ihrer Erhabenheit hat sie aber eine große Wirkung und wenn man sie durchfährt (im klimatisierten Bus), wirkt sie auf Einen. Aber macht Euch selbst einen kleinen Eindruck.

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Man kann erkennen, wo ab und zu mal Wasser fließt.

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Man kann aber auch erkennen, wo öfter mal Wind die Berge überschreitet.

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Gut zu sehen ist, wie die Oasen kämpfen.

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Die Dörfer leiden dementsprechend unter Bevölkerungsschwund.

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Trotzdem wunderschön.

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Pistenkreuzung

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In M´hamid haben wir uns dann erst mal einen Tee gegönnt.

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Hübsch hässlich hier. Im wahrste Sinne des Wortes.

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In La Boussole de Sahara haben wir dann unser Wohnzimmer aufgebaut und den Blick genossen, inklusive Sonnenuntergang in der Wüste.

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Am nächsten Morgen entschieden wir dann nach ein paar Kilometer steiniger Piste (hat mächtig geholpert), doch nicht die 140km Piste zu nehmen, sondern haben umgedreht und sind Straße nach Foum Zgouit gefahren. Wir sind halt doch mehr Reisende als Offroad Freaks. Aber auch da gab es genug zu sehen. Immer wieder Oasen, die unter Sand leiden…

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…und deren Bewohner. Keine Tourikarawane, sondern Lastentransport.

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Aber auch immer wieder grandiose Landschaft.

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Dieses Kamel schubbert sich an dem Warnschild „Kamele kreuzen“.

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Verkehr ist Mangelware. Als wir aber in Foum Zgouit im Café Chegaga gesessen haben (leider haben wir vergessen zu fotografieren) tauchten zur Mittagszeit aus allen Richtungen Touristen in Kleinbussen, 4X4´s und auf Motorrädern auf. War mächtig was los und die Bedienungen grillten und schafften das Essen raus. Das ging schnell, als wir aber bezahlen wollten, dauerte es über eine halbe Stunde, bis sich mal einer erbarmte unsere Kohle zu kassieren. Hat was, dieser Servicegedanke.

Apropos Service, der ist in Marokko kaum zu schlagen. Die Marokkaner sind überaus freundlich, ohne aufgesetzt zu wirken, selbst wenn der Wirt oder auch der Kringelbäcker dich als „mon Ami“ bezeichnet. Selbst wenn man nur einen Thé und ein Wasser trinkt, wird nach dem Woher und Wohin gefragt, was mit unserem dürftigen französisch allerdings kaum zu einer tiefer gehenden Konversation führt. Überraschend viele Marokkaner können allerdings auch ein wenig Englisch und dann klappt’s in einem Gemisch aus allen Sprachen (arabisch und deutsch schleicht sich oft auch ein wenig ein).

Wir wollen Euch nicht mit zu viel Wüstenfotos nerven, aber vor Tata, unserem heutigen Ziel, war noch etwas zu sehen.

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Jetzt sitzen wir in Tata ohne Landebier, das ist uns nämlich ausgegangen (schluchz). Über Tata schreibt Marco Polo (der Reiseführer): Wenig Touristen, deshalb kann man unverfälschtes traditionelles marokkanisches Wüstenleben erleben. Das haben wir bei einer Tajine und einem Berbertee ausgiebig genossen. Danach haben wir uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch einen Sfenj gegönnt.

Für die Unwissenden unter Euch (also eigentlich auch für uns, bevor wir den Namen gegoogelt haben), es handelt sich dabei um eine Art marokkanischen Donut. Göttlich.

Wüste

Es geht Richtung Erfoud, in der Tafifalet Oase. Eigentlich natürlich an und in die Erg Chebbi, eines der zwei großen Sahara Sandfelder (das andere ist die Erg Chegaga, wir kommen noch darauf zurück).

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Die Landschaft verändert sich.

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Am Weg auf einmal Fogharas (heißen in Marokko Kethara), das geniale Bewässerungssystem der Sahara.

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So wurde durch die Wüste über Kilometer Wasser befördert. Unten sieht es so aus…

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Hier gibt es Kleinstädte, die gar keine geteerten Straßen mehr haben.

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Nach heute nur rund 3 1/2 Stunden Fahrt erreichen wir dann Maadi, einen Ort in der Tafifalet Oase und hier Chez Karla, wo man nicht nur campen kann, sondern auch gut essen.

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War sozusagen ein Relaxtag. Das ging dann am nächsten Tag weiter. Wir erkundeten die Tafifalet ein wenig und fuhren dabe auch nach Merzouga, dem Ort direkt an den Dünen. Über Merzouga hatten die Blogger von der Pistenkuh geschrieben, dass nach Ausbau der Straße bis fast an die Dünen Vorsicht geboten sei, nicht von einem Hymer überrollt zu werden. Glücklicherweise sind wir aber in einer Zeit da, wo die Überwinterer noch nicht da und nirgendwo Ferien sind. War also sehr übersichtlich mit dem Touristenverkehr.

Dann kamen die Dünen in Sicht.

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Da wollten wir ja hin. Jetzt einmal nach hinten und dann nach vorne gesehen.

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Jo!

Am Samstag dann der Kompromiss zwischen Andrea und Frank, eine Tour mit unserem Gastgeber von Chez Karla, Ismael.

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Ismael fuhr voraus und wir hatten zu folgen. Es ging auf die Rückseite der Erg Chebbi an die algerische Grenze. Versprochen waren 0 Touristen und tatsächlich haben wir den ganzen Tag über nur ein paar Nomaden getroffen. Die wollten uns aber gleich wieder etwas verkaufen. Schon witzig hier in Marokko.

Jetzt ein paar Eindrücke von unserer mehr als 100km langen Wüstentour.

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An dieser Stelle können wir Euch leider nicht davor bewahren, einen Blick auf unsere Kopfbedeckung zu werfen.

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Als nächstes eine Szene, in der unser Unterbodenschutz zusammen mit Stein der Wüste komische Töne erzeugt. Ab gehts über die Klippe…

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Das sah von Innen deutlich steiler aus als auf den Fotos. Weiter gehts.

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Ab und an trafen wir echte Wüstenbewohner.

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Was hier recht deutlich wird ist, dass die Wüste mehr aus Steinen als aus Sand besteht. Sand gibts aber auch. Zuerst aber die Mittagspause in einer kleinen Oase.

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Danach fuhren wir tatsächlich mitten in der Wüste durch Wasser.

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So, jetzt Luft ablassen und dann ab in den Tiefsand. Als ich meinen Kompressor aktivieren wollte um genau 25% Luft abzulassen, lächelte Ismael mich nur mitleidig an und rezitierte an jedem Reifen einen Spruch während er die Luft abließ. Andere Länder andere Sitten oder, wie es die Profis machen.

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Die Erg Chebbi ist erreicht. Fahren im tiefen Sand hat übrigens ein Verwandtschaftsverhältnis mit Schiff fahren. Vor allem bedeutet es zügig im hohen Drehzahlbereich zu fahren um nicht stecken zu bleiben. Hat im zweiten Gang klasse geklappt. Unser Bus hat sich gegenüber dem Landcruiser keine Blöße gegeben. Der war mit seinem Untersetzungsgetriebe nur etwas lässiger unterwegs.

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Jetzt kurze 7km durch und die Zivilisation hat uns wieder.

 

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Kurze Rast mit einem Berber Whisky (so heißt hier der Minztee) und dem Touristenführer vor dem Haus beim Feierabend zusehen.

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Das machen wir auch für heute! War ein klasse Tag mit jeder Menge Spaß.

 

 

Marokko Offroad

Was wir gestern so nicht erwähnt hatten, war unser Plan, Todra und Dades Schlucht an einem Tag zu durchfahren. Hört sich jetzt nicht wirklich verwegen an. Immerhin liegen die Schluchten an der gleichen Nationalstraße. Dazu müssten wir aber in die Todra Schlucht fahren, dort wenden, zurück durch die Todra Schlucht und dann zur Dades Schlucht fahren.

Es gibt aber eine Abkürzung. Eine Abkürzung ohne Straße, dafür auf einer mehr oder weniger vorhandenen Piste. Die Abkürzung ist 76km lang, wovon rund 45km über Piste gehen. Die Route führt über einen immerhin 2.647m hohen Pass durch eine karge, aber atemberaubend schöne Bergwelt.

Beginnen werden wir mit der Todra Schlucht. Im Gegensatz zur Dades Schlucht können Reisebusse bis vor die Schlucht fahren, was dazu führt, dass nicht nur Touristen, sondern auch eine erkleckliche Anzahl von Verkäufern vor Ort sind.

Start war in Zaouia-Sidi-Abdellal.

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Kurz danach war die Gorges Todra erreicht und auch sehr schnell durchfahren. Irgendwie hatten wir uns das länger bzw. größer vorgestellt. Immerhin passte die Höhe, mit über 300m hohen Schluchtwänden.

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Die Wände werden übrigens auch von Sportlern geschätzt.

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Den hinteren Teil der Schlucht hatten wir dann wieder für uns.

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Na ja, mehr oder weniger…

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Der kleine Ziegenbock in der Mitte wollte es übrigens auf eine kleine Zwinkerprobe ankommen lassen. Er war am Schluss aber der, der zuerst zwinkerte bzw. auswich.

Tamtattouchte kam in Sicht…

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…und damit auch unser „Waypoint“ HTMX06. Wir fuhren ab jetzt nämlich nach einem Track aus unserem „Offroad Atlas Marokko“. Die Erläuterung dieses Waypoints hieß: Tamtattouchte, Abzweig links, Piste weiter. Et voilá…

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Ein weiterer Waypoint kam in Sicht „Auberge“, Piste wird schmaler.

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Für uns Anlass, eine kleine Pause einzulegen.

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Der Wirt ließ uns einen Blick in den deutschsprachigen Teil seines Gästebuches werfen und klagte uns sein Leid, dass fast alle Offroadfahrer bei ihm vorbeifahren würden. Nachdem wir noch eine Vorführung seiner selbstgebauten Instrumenten (aus leeren Dosen, Fahrradseilen und Angelleinen) erhalten hatten, brachen wir auf, nicht ohne einen letzten Blick von oben auf die Auberge geworfen zu haben.

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Nach einem steilen Anstieg öffnete sich eine fantastische Landschaft.

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Die Waypoints 9 bis 11 lauteten: „9 Piste wird schmaler, Schwierigkeitsgrad 2 bis 3“ (Schwierigkeitsgrade 1 Anfänger, bis 5 nur sehr erfahrene Fahrer, die ihr Fahrzeug absolut beherrschen, Fahrfehler können zum Totalverlust führen), „10 Piste ist abgerutscht, führt im Oued weiter“, „11 Piste ist mehrfach abgerutscht, Verlauf im Oued“.

Das können wir bestätigen.

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Die Bewohner dieses Gebietes (es sind nicht viele) sind Nomaden.

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Gleichzeitig kamen wir immer höher, Schneereste waren der Anzeiger.

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Die Landschaft blieb irre.

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Waypoint 14 „Passhöhe 2647m“

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30km Piste lagen hinter uns, knapp 24km noch vor uns. Zeit für eine kleine Pause.

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Unser Terock hat mittlerweile artgerechtes Make up (Staub und Dreck) aufgelegt. Weiter ging es durch Berge. Hatten wir schon gesagt atemberaubend?

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Dann war Schluss mit Offroad…
…nach ca. 3,5 Stunden für 45km.

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Wir hatten den Oued Dades erreicht, der hier ein klein wenig die Mosel imitiert.

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Der Dades hat sich, wie der Oued Todra, tief in die Landschaft „gefressen“. Hier kann man es aber auch eine zeitlang von Oben betrachten.

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Wie gesagt, eine Zeit lang. Es ging nämlich hinab in die Schlucht.

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Auch mal wieder nach oben, dann aber wieder hinab.

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Den Rest hatten wir gestern schon, denn von Boulmane de Dades sind wir wieder nach Tinghir gefahren und haben unser Wohnzimmer am selben Platz aufgeschlagen. Das Pärchen aus Hagen (dem Geburtsort unseres Terock), das gestern bereits in unserer Nachbarschaft stand, war auch wieder da, nach der selben Tour wie wir sie gefahren waren. Anlass, einen ausgiebigen Plausch über die 45km Offroad von heute zu halten und ein Landebier zu genießen.