Auch in Europa hört man derzeit viel über Ecuador. Vor allem über die Sicherheitslage. Verwandte und Freunde machen sich Sorgen, bzw. sagen uns „Ihr traut Euch ja was“. Leute die derzeit in Ecuador sind oder sogar hier leben sagen stattdessen, dass man außerhalb der Krisenregion an der Küste und der direkten Grenznähe zu Kolumbien eigentlich kaum etwas merkt.
Für uns war aber das viel größere Problem „wie kommen wir rein“. Von Kolumbien aus muss man durch Ecuador um den Rest von Südamerika überhaupt erreichen zu können. Die einzige mögliche Alternative wäre eine Route über das völlig verarmte Venezuela. Eine Grenze zwischen Kolumbien und Peru gibt es zwar, dort, im Amazonasgebiet, sind aber keine Straßen.
Zu allem Überfluss hat Ecuador im Rahmen des Ausnahmezustandes die Einreise in das Land an die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses mit Apostille, welches im Heimatland auf spanisch übersetzt sein muß, geknüpft.
Jetzt saßen wir also in Kolumbien und machten uns Gedanken, ob die geplante Reise überhaupt noch möglich ist. Wir verfolgten die Entwicklung vor allem in der „WhatsApp Panamericana-Gruppe“ und sprachen gleichzeitig mit der Stadt Neu-Isenburg, über die ein solches polizeiliches Führungszeugnis zu beantragen war. Das hat gut geklappt. Vielen Dank dafür an die superflexible Stadtverwaltung von Neu-Isenburg. Im schlimmsten Fall saßen wir jetzt 10 bis 12 Tage zusätzlich in Kolumbien fest. Natürlich viel Zeit, wenn man Südamerika in drei Monaten machen will, aber besser als einfach den Kopf in den Sand zu stecken.
Die Situation entwickelte sich weiterhin dynamisch. Als Information in der Gruppe kam zuerst, dass es unter Umständen möglich sei, ein Transitvisum für 5 Tage zu erhalten. Dann kam die Information, dass im Explorer Magazin in Deutschland von einem 10 Tage Transitvisum geschrieben wurde. In der Panamericana-Gruppe kündigte ein Teilnehmer an, innerhalb der nächsten 2-3 Tage einen Versuch zu starten.
Wir entschieden uns, auch auf diese Lösung zu setzen und unseren Plan ab Salento einfach umzusetzen und nach dem „Prinzip Hoffnung“ so zu tun, als ob das jetzt so ist und wir ein 10 Tage Visum mindestens erhalten können.
Also fuhren wir aus dem Valle Corpora Richtung Süden und der ecuadorianischen Grenze entgegen. Es ging durch eine wunderschöne Berglandschaft.






Als wir im Stau vor einer Baustelle standen, stieg ein Mann aus und schaute sich unseren Sprinter genauer an. Das war für uns erst mal nichts Neues. Wir hatten uns bereits daran gewöhnt, dass sehr viele Menschen uns den gehobenen Daumen zeigten, LKW Fahrer hupten, sogar einmal ein Fahrer, der uns überholte danach an den Rand fuhr, um uns filmend noch einmal zu überholen. Hier im Stau stieg dann aber zusätzlich ein kleiner Junge aus und der Mann fing an uns zu befragen. Wir verstanden zwar die Fragen ganz gut, aber unser spanisch reichte für vernünftige Antworten einfach nicht aus. Mit Händen und Füßen gelang die Verständigung trotzdem. Wie meistens in fremden Ländern.
Wir luden die beiden ein, sich den Sprinter von innen anzuschauen, was gerne angenommen wurde. Nachdem der kleine Junge seinem Vater dann auch noch die Frage nach unserer Herkunft beantworten konnte und ihn darauf hinwies, dass das doch vorne am Sprinter draufsteht, war das Eis endgültig gebrochen.
Im Gegenzug bekamen wir ein Geschenk. Gleichzeitig die Erläuterung, wie man es ißt.

Eine Guame, oder Icecream-Bean. Man isst die weiße Innenhülle, den schwarzen Kern wirft man weg. Sehr gut.
Wir erreichten unser Ziel, den Parkplatz zur Seilbahn, die zum Weltkulturerbe „Sanctuario de Las Lachas“ fuhr. Hier das Sanctuario:


Bilder von innen konnten wir keine machen, da gerade eine Messe gefeiert wurde.
Im Anschluss machten wir uns auf zu unserem geplanten Schlafplatz. Alleine, wir konnten ihn nicht finden, trotz GPS Daten. Es wurde langsam dunkel und guter Rat war teuer. Die Tankstelle/Rastplatz in der Nähe wollte uns keinen Schlafplatz überlassen.
Glücklicherweise hatte Andrea auf der Durchfahrt einen LKW Stellplatz hinter einer Mauer gesehen. Den fuhren wir dann an. Die Chefin des Platzes ließ uns gerne übernachten, war aber etwas besorgt, dass wir Nachts auf keinen Fall das Auto verlassen dürften, da ab 22 Uhr die Hunde frei liefen. Hunde? Das waren zwei Monster, riesige Mastiff-Mischlinge. Uns hätten keine 10 Pferde aus dem Auto rausgebracht. Sicher fühlten wir uns aber in dieser Nacht.
Am nächsten Morgen ging es zur Grenze, aber das ist eine Geschichte für den nächsten Blog-Beitrag.
Hallo ihr Weltenbummler,..ja… ihr traut euch wirklich was !!und nicht nur das ,macht eure Reisen so einzigartig sondern auch so viele tolle Begegnungen und freundliche Menschen die ihr kennen lernt !
Klasse das ihr euch traut und uns teilhaben lasst!!
Weiterhin viel Spaß und schöne Erlebnisse wünschen Gabi und robby
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